1947 Versammlung am 20. Oktober - Demokratie

Heute Abend hielt der Kolpingsbruder Landrat Roggenkamp einen Vortrag über das Thema "Demokratie". Er schilderte zunächst die Bedeutung des Wortes, dann, was wir uns darunter vorstellen. Er schilderte die Entwicklung der demokratischen Regierungsformen in den verschiedenen Ländern und zeigte an Beispielen, dass von allen Regierungsformen die Demokratie die beste ist, die den Willen des Volkes zur Tat werden lässt und dass diese am besten geeignet ist, für das Wohlergehen der Gesamtheit zu sorgen. Dann stellte der Sprecher die beiden demokratischen Formen gegenüber: die christliche Auffassung, die die Gewalt und die Verantwortung von unten her, von den Gemeinden, Kreisen, Ständen usw. aufbauen will. Diese sollen bereits erledigen, was in ihrer Macht steht. Hierdurch sollen in den Staatsapparat Sicherungen eingebaut werden, die verhindern sollen, dass die Regierung (nicht) die ganze Macht bekommt, wie im Gegensatz hierzu der Sozialismus und Materialismus die Demokratie wünscht; denn von einer Demokratie, wo die Regierung die gesamte Macht hat, bis zur Diktatur ist nur ein kleiner Schritt. Die anschließende Debatte war recht lebendig und zeigte, wie lebhaft das Thema die Anwesenden beschäftigt hat. In seinen Antworten auf verschiedene Fragen zeigte der Redner noch, woran die Weimarer Republik gescheitert war und was wir gerade für die heutige Zeit daraus lernen können. Herr Landrat Roggenkamp versprach, ähnliche Vorträge mit freiem Meinungsaustausch folgen zu lassen, was von allen Mitgliedern sehr begrüßt wurde.

gez. Kropff      gez. Liesen      gez. Becker

Altsenior            Senior           Schriftführer

Historische Informationen

1947 war ein ganz besonderes Jahr. Die USA entließen am 30. Juni die letzten deutschen Kriegsgefangenen. Der Physiker und Nobelpreisträger Max Planck starb im Alter von 89 Jahren.  Politisch war die Entwicklung jedoch negativ. Zwischen den westlichen, demokratisch organisierten Siegermächten und der diktatorisch geführten Sowjetunion brach der sogenannte Kalte Krieg mit allen seinen Bedrohungen aus. Zu einem direkten militärischen Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion und ihren jeweiligen Militärblöcken kam es jedoch nie. Der Kalte Krieg entwickelte sich zur Auseinandersetzung zwischen Marktwirtschaft und Kommunismus. Dabei wurden jahrzehntelang auf beiden Seiten politische, wirtschaftliche, technische und militärische Anstrengungen unternommen, um den Einfluss des anderen Lagers weltweit zu stoppen oder sogar zurückzudrängen. Bekannter wurde der Kalte Krieg unter dem Begriff Ost-West-Konflikt.