1948 Versammlung am 19. Januar - Die soziale Frage

Herr Landrat Roggenkamp hat sich für eine weitere Vortragsreihe - betitelt "Die soziale Frage" - zur Verfügung gestellt.

Der heutige Vortrag behandelte das aktuelle Thema "Die Ernährung". Von den allgemeinen Rechtsbegriffen kam der Redner zunächst auf die Rechtsunsicherheit und die Rechtsbeugung der vergangenen Jahre zu sprechen und kam dann auf eines der Menschenrechte, das auch in der heutigen Zeit noch seine Gültigkeit hat, das Recht auf Ernährung. Er schilderte die Ursache zur heutigen katastrophalen Ernährungslage und nannte als Hauptgrund für unsere Not im Westen die gewaltsame Abtrennung der deutschen Ostgebiete und die Vierteilung Deutschlands in Zonen. Im Anschluss an seine längeren Ausführungen beantwortete der Redner verschiedene an ihn gerichtete Fragen.

Zum Schluss wurde ein Lebensmittelpaket, das uns von einem amerikanischen Kolpingssohn über den Diozösanpräses zugestellt worden war, amerikanisch versteigert. Der Erlös soll zur Bestreitung der Musikkapelle für Fastnacht verwendet werden.        

 

gez. Kropff  (Altsenior)      gez. Alf. Liesen (Senior)      gez. Becker (Schriftführer) 

Historische Informationen

Im Jahre 1948 kam es im Nachkriegseuropa und damit  im geteilten Deutschland zu einer Zuspitzung der Gegensätze unter den alliierten Besatzungsmächten. Die deutsche Frage stand im Mittelpunkt des Weltinteresses. Im Nachkriegsdeutschland hungerten die Menschen. Lebensmittel gab es nur gegen Lebensmittelkarten. Politische Höhepunkte waren die Währungsreform im westlichen von den westlichen Besatzungsmächten verwalteten Teil Deutschlands, und die sich unmittelbar daran anschließenden Berlin-Blockade, in der die Sowjet-Union den westlichen Teil Berlins völlig von Westdeutschland abschnitt.  Mit der Errichtung der Berliner Luftbrücke antworteten die USA, England und Frankreich auf diese Bedrohung und versorgten 11 Monate lang Berlin mit Flugzeugen aus der Luft.